ardinien ist für seine Strände, das türkisblaue Meer und die beeindruckende Landschaft bekannt. Doch auf der Insel gibt es auch Orte, die eine ganz andere Geschichte erzählen.
Einer davon befindet sich in Costa Paradiso im Norden Sardiniens. Zwischen Granitfelsen und mediterraner Vegetation steht eine ungewöhnliche Betonkuppel, die auf den ersten Blick kaum wie ein gewöhnliches Ferienhaus aussieht.
Es ist La Cupola, eine außergewöhnliche Villa des italienischen Architekten Dante Bini. Bekannt wurde das Gebäude vor allem durch seine ehemaligen Bewohner: den Regisseur Michelangelo Antonioni und die Schauspielerin Monica Vitti.
Heute wird La Cupola häufig als Lost Place bezeichnet. Bei unserem Aufenthalt in Costa Paradiso wollten wir uns diesen besonderen Ort selbst ansehen.
Eine Villa, die wie ein Raumschiff aussieht
Schon von außen fällt La Cupola sofort auf.
Die runde Betonkonstruktion steht mitten in der Landschaft und unterscheidet sich deutlich von den Häusern, die man sonst in Costa Paradiso findet. Zwischen den Felsen wirkt sie fast wie ein futuristisches Bauwerk.
Dabei stammt die Villa aus einer Zeit, in der solche Formen noch alles andere als gewöhnlich waren.
Entworfen wurde La Cupola vom Architekten Dante Bini, der sich bereits in den 1960er-Jahren mit neuen Bautechniken beschäftigte. Bekannt wurde seine sogenannte Binishell-Technik. Dabei wird eine Betonkonstruktion mithilfe von Luftdruck in eine kuppelförmige Form gebracht.
Für La Cupola entstand dadurch eine außergewöhnliche Architektur, die sich deutlich von klassischen Häusern unterscheidet.
Die Bauarbeiten begannen Ende der 1960er-Jahre. Fertiggestellt wurde die Villa 1971.
Michelangelo Antonioni und Monica Vitti
Die Geschichte von La Cupola ist eng mit zwei bekannten Persönlichkeiten des italienischen Films verbunden.
Michelangelo Antonioni war einer der bedeutenden italienischen Regisseure des 20. Jahrhunderts. Monica Vitti wurde durch zahlreiche italienische Filme bekannt und arbeitete mehrfach mit Antonioni zusammen. Beide waren auch privat ein Paar.
Antonioni hatte eine besondere Verbindung zu Sardinien. Die Landschaft der Insel faszinierte ihn und während seiner Arbeit lernte er verschiedene Regionen kennen.
Später entstand die Idee für ein außergewöhnliches Haus an der Costa Paradiso. Gemeinsam mit Dante Bini wurde eine Villa geplant, die sich deutlich von den damals üblichen Ferienhäusern unterschied.
La Cupola sollte eine Verbindung zwischen Architektur und Landschaft schaffen.
Und genau das erkennt man noch heute.
Eine ungewöhnliche Architektur
Die Form der Villa ist ungewöhnlich, aber keineswegs zufällig.
Die Kuppel bestimmt das gesamte Gebäude. Statt klassischer gerader Außenwände entstand eine organische Form, die sich über die Landschaft legt.
Auch im Inneren setzt sich dieses Konzept fort. Die Räume wirken durch die geschwungenen Wände ganz anders als in einem normalen Haus.
Besonders interessant sind die großen Öffnungen und Fenster. Sie holen die Landschaft direkt in die Räume. Je nach Blickrichtung sieht man Felsen, Vegetation oder das Meer.
Dante Bini wollte mit seiner Architektur neue Wege gehen. La Cupola ist deshalb auch mehr als eine ehemalige Ferienvilla. Sie ist ein Beispiel für experimentelle Architektur aus den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren.
Unser Besuch bei La Cupola
Während unseres Aufenthalts in Costa Paradiso stand La Cupola auf unserer Liste der Orte, die wir unbedingt sehen wollten.
Der Weg dorthin führte durch die für diese Gegend typische Landschaft. Granitfelsen liegen zwischen der mediterranen Vegetation und immer wieder eröffnen sich Blicke auf das Meer.
Dann sieht man plötzlich die charakteristische Kuppel.
Schon der erste Blick auf das Gebäude war für uns etwas Besonderes. Von außen lässt sich die ungewöhnliche Konstruktion bereits gut erkennen. Noch eindrucksvoller war es allerdings, die Villa auch von innen zu sehen.
Ein Blick ins Innere
Auch das Innere von La Cupola vermittelt einen Eindruck davon, wie außergewöhnlich dieses Gebäude geplant wurde.
Gerade hier wird die besondere Architektur besonders deutlich. Die runde Form der Kuppel prägt die Räume, während geschwungene Wände und ungewöhnliche Raumaufteilungen ein völlig anderes Raumgefühl als in einem gewöhnlichen Haus entstehen lassen.
Gleichzeitig ist der Zahn der Zeit deutlich sichtbar. Die vergangenen Jahrzehnte haben ihre Spuren hinterlassen. Oberflächen sind verwittert und an verschiedenen Stellen zeigt sich der Zustand des inzwischen stark gealterten Gebäudes.
Trotzdem lässt sich noch gut erahnen, wie außergewöhnlich dieses Haus bei seiner Entstehung gewesen sein muss.
Architektur mitten in der Natur
Was uns besonders aufgefallen ist, war die Verbindung zwischen Innenraum und Landschaft.
La Cupola steht nicht einfach auf einem Grundstück, sondern scheint mit ihrer Umgebung verbunden zu sein. Die Granitfelsen, die mediterrane Vegetation und die Nähe zum Meer prägen den Eindruck des gesamten Ortes.
Durch die ungewöhnliche Form des Gebäudes entstehen immer wieder besondere Perspektiven. Die Landschaft Sardiniens wird dadurch selbst zu einem Teil der Architektur.
Heute ist die Natur rund um La Cupola deutlich präsent. Pflanzen wachsen zwischen den Felsen und die Spuren der vergangenen Jahrzehnte sind an vielen Stellen sichtbar.
Vom außergewöhnlichen Ferienhaus zum Lost Place
Im Laufe der Jahre veränderte sich die Geschichte von La Cupola. Aus dem außergewöhnlichen Ferienhaus wurde schließlich ein Gebäude, das heute häufig als Lost Place bezeichnet wird.
Wind, Sonne und die salzhaltige Meeresluft haben ihre Spuren hinterlassen. Das Gebäude wirkt inzwischen deutlich gealtert und an vielen Stellen ist zu erkennen, dass es schon seit längerer Zeit nicht mehr so genutzt wird wie ursprünglich vorgesehen.
Trotzdem hat La Cupola nichts von ihrer besonderen Ausstrahlung verloren. Gerade der Gegensatz zwischen der futuristischen Architektur und dem heutigen Zustand macht den Ort so interessant.
Warum La Cupola so besonders ist
La Cupola verbindet mehrere Geschichten miteinander. Da ist zum einen die ungewöhnliche Architektur von Dante Bini. Dazu kommt die Verbindung zu Michelangelo Antonioni und Monica Vitti sowie die besondere Lage mitten in der Landschaft der Costa Paradiso.
Dadurch ist La Cupola mehr als einfach ein verlassenes Gebäude. Die Villa erzählt ein Stück Architektur- und Filmgeschichte und zeigt gleichzeitig, wie außergewöhnlich manche Bauprojekte auf Sardinien sein können.
Besonders spannend fanden wir den Gegensatz zwischen der ursprünglichen Idee und dem heutigen Zustand. Was einst als modernes und visionäres Ferienhaus entstand, wirkt heute wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.
Darf man La Cupola besuchen?
La Cupola und das dazugehörige Grundstück sind nicht frei zugänglich. Auch wenn im Internet zahlreiche Fotos aus dem Inneren zu finden sind, bedeutet das nicht, dass Besucher die Villa betreten dürfen.
Wer La Cupola sehen möchte, sollte deshalb unbedingt darauf achten, keine Absperrungen zu umgehen oder das Grundstück unbefugt zu betreten.
Unser Besuch im Inneren war eine persönliche Situation während unserer Reise und ist ausdrücklich keine Empfehlung, La Cupola selbst zu betreten. Wer die Villa sehen möchte, sollte die örtlichen Gegebenheiten und geltenden Regeln respektieren.
Ein Lost Place mit Geschichte
La Cupola ist für uns einer der ungewöhnlichsten Orte, die wir während unseres Aufenthalts an der Costa Paradiso entdeckt haben.
Die futuristische Architektur von Dante Bini, die Verbindung zu Michelangelo Antonioni und Monica Vitti und die Lage zwischen den Granitfelsen machen diesen Ort zu etwas Besonderem.
Gerade weil La Cupola heute nicht mehr so genutzt wird wie ursprünglich, wirkt die Villa wie ein Blick in eine vergangene Zeit. Gleichzeitig zeigt sie, wie eng Architektur und Landschaft auf Sardinien miteinander verbunden sein können.
La Cupola ist kein gewöhnlicher Lost Place. Sie ist ein Stück sardische Architektur- und Filmgeschichte, das mitten in der Landschaft der Costa Paradiso seine Spuren hinterlassen hat.
Hinweis: Das Betreten von La Cupola und des dazugehörigen Grundstücks ist nicht erlaubt. Unser Blick ins Innere entstand während einer persönlichen Situation auf unserer Reise und stellt ausdrücklich keine Aufforderung oder Empfehlung dar, das Gebäude unbefugt zu betreten.
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